Ach, InDesign.
InDesign hat seit diversen Versionen die schönen Rahmeneinpassungsoptionen. Über diese definiert man für einen Grafikrahmen, ob und wie eine darin platzierte Grafik skaliert wird. Hilfreich ist diese Option insbesondere, wenn man Templates anlegt, die mit unterschiedlichen Inhalten gefüllt werden sollen. Stellt man etwa Rahmen proportional füllen ein, so kann man sich sicher sein, dass das platzierte Bild (unter Beibehaltung der eigenen Proprtionen) den Rahmen vollständig ausfüllen wird. Per Inhalt proportional einpassen wird ein platziertes Bild so skaliert, dass auf alle Fälle das komplette Bild innerhalb des Grafikrahmens sichtbar ist. Letzteres kann nun noch um eine sehr interessante Option verfeinert werden: den Beschnittbetrag.
Der BEschnittbetrag
Per Beschnittbetrag definiert man für jede Kante (oben, unten, links, rechts) einen eventuellen Versatz zwischen Grafikrahmen und dem Bild selbst. Positive Werte “erweitern” den Grafikrahmen – ein platziertes Bild darf also um den eingestellten Wert über die Kante des Grafikrahmens hinausragen (dieser Teil des Bildes liegt dann außerhalb und ist nicht sichtbar). Negative Werte verkleinern entsprechend den Bereich, den das platzierte Bild innerhalb des Grafikrahmens einnehmen darf. Dies ist sinnvoll, wenn man sicherstellen will, dass eine platzierte Grafik nicht bis an den Rand des Grafikrahmens reichen soll (beispielsweise damit die Hintergrundfarbe des Grafikrahmens sichtbar wird und das Bild “einrahmt”).
So weit, so gut. Und dann würgt InDesign dieser netten Funktion die Nutzbarkeit ab. Denn: Dieser Beschnittbetrag ist leider kein absoluter Wert. Nehmen wir aus Rücksicht auf verkümmerte Mathematiktalente einmal an, für einen Grafikrahmen wurde ein Beschnittbetrag von -10 mm angegeben. Für den Rahmen ist Inhalt proportional einpassen definiert. Wir rechnen also damit, dass eine platzierte Grafik automatisch so groß wird, dass sie komplett in den Rahmen passt, dabei aber nicht näher als 10 mm an den Rand heranreicht. Das könnte sogar der Fall sein – wenn denn das Bild mit exakt 100% platziert wird (was ein arger Zufall wäre). In der Regel wird das Bild wohl mehr oder minder stark skaliert werden müssen. Nehmen wir mal an: auf 70%. Und wer kann nun erraten, wie nah das platzierte Bild an die Grafikrahmenkante heranreicht?
Punkt vor Strich, anyone?
Genau: 7 mm. Es scheint, als würde der Beschnittbetrag erst auf das Bild angewandt (um das Bild wird quasi ein virtueller, 10mm breiter Rahmen gezogen) und dann die notwendige Skalierung durchgeführt, um das Bild (SAMT virtuellem Rahmen) in den Grafikrahmen einzupassen. Dadurch wird dann natürlich dieser virtuelle Schutzrand in gleichem Maße skaliert, aus eingestellten 10 mm wird so je nach Skalierungsfaktor weniger oder sogar mehr Abstand zum Grafikrahmen (bei Skalierungen >100%). Sinnvoller wäre, die Funktion würde dem Grafikrahmen einen Innenabstand verpassen – vergleichbar einem Innenabstand für Textrahmen. Tut sie aber nicht. Weshalb man den Beschnittbetrag nehmen und in die Tonne kloppen kann.