
Soeben habe ich mein aufgestautes Audible-Guthaben in die seit November 2011 vollständig als Hörbuch erhältliche Chronik der Drachenlanze versenkt. Mithin also in Bücher, die ich schon kenne – die Reihe steht noch immer im Bücherregal und staubt seit rund 20 Jahren (!) vor sich hin. Und trotzdem freue ich mich wie ein kleines Kind vor Weihnachten, mir die Geschichte um Raistlin und Co. wieder zu Gemüte zu führen. Bin ich alt und spießig? Bin ich der Opa, der vom Krieg erzählt? Wie bei einigen Musikstücken umwehen mich alleine schon beim Gedanken an das Anhören Erinnerungen an endlose Rollenspiel-Abende, an Gesichter, Eindrücke, Gerüche. Nein, ich glaube, ich bin noch nicht dieser Opa. Zumindest nicht, wenn ich in weiteren 20 Jahren in Dinge investiere, die mich dann an heute erinnern.

Warum hat man an manchen Tagen, zu manchen Bildern oder beim Lesen einer Nachricht bestimmte Lieder im Kopf? Ich weiß es nicht. Heute war es Heartland von den Sisters of Mercy. Was, wie mir hiermit auffällt, weder im iTunes Store noch bei Amazon zu bekommen ist. Shame on you. Rettung bei Last.fm.
Als Ausgleich habe ich eine ganze Liste – in der Heartland eigentlich auch vertreten wäre – auf iTunes veröffentlicht. Schon etwas älter, im Original aus drei Listen bestehend und sicher über die letzten fünfzehn Jahre hinweg entstanden und modifiziert. Einige Titel sind in iTunes leider nicht verfügbar (u. a. zwei Titel von Stina Nordenstam, manche Titel von den Vienna Scientists Samplern sowie ein Song eines Augsburger Künstlers – Café Calmberg) und die Liste ist deshalb an manchen Stellen möglicherweise etwas holprig. Wenn auch das meiste alter Kram ist, vielleicht findet ja jemand Gefallen an dem ein oder anderen Stück.
Ein Song der Mediengruppe Telekommander, der mir heute im überlauten Rauschen des Social-Media-Streams unwillkürlich unter den Mauszeiger geriet (Klick aufs Bild = iTunes Link). Dessen ungeachtet ein großartiger Track, den man auch morgen noch spielen darf.
Wer stand seinerzeit auch Stunden seiner/ihrer Jugend im WOM, Müller oder $Musikladen, sammelte sich einen Stapel CDs zusammen, schleppte diesen an einen der Handvoll zur Verfügung stehenden CD-Player und hörte sich durch die Auswahl, das Schild ignorierend, das einem nahe legte, doch bitte maximal 5 CDs probezuhören? Lange ist’s her. Und fortschrittlich, wie unsere Welt so ist, was machen wir heute? Wir lauschen zu 30-Sekunden-, je nach Land und Album vielleicht gar zu 90-Sekunden-Ausschnitten. Wait. What?
Full Stream Ahead
Nicht, dass ich darin einen Vorboten zu goldenen Zeiten sehe, aber das neue Red Hot Chili Peppers Album ist (bzw. war) in iTunes bis zur Veröffentlichung als kostenloser Stream verfügbar (Klick aufs Bild oben). Die Qualität ist gut, das gesamte Album ist ein einzelner Stream, in dem man nach Herzenslaune vor- und zurückspringen kann. Lieder gezielt anspringen ist so nicht möglich, aber hey – es ist das gesamte Album, kein von irgendeinem tauben Roboter ausgewählter x-Sekunden-Ausschnitt. So und nicht anders wünsche ich mir das Probehören in iTunes (oder jedem beliebigen anderen Musik-Shop). Wenn die Angst vor mitschneidenden Musikpiraten allzu groß ist, sollen sie meinetwegen die Qualität reduzieren, ein Knacken alle 60 Sekunden einbauen oder gar das Probehören auf 1x/Monat/Album beschränken. Wenn ich nur dafür ein Album vor dem Kauf so probehören darf, wie ich das vor 20 Jahren schon gemacht habe. Und es mich im Fall des RHCP Albums (laaaangweilig) definitiv vom Kauf abhielte.

Vor einigen Wochen konnte ich mich während der Arbeit so gar nicht entscheiden, mit welcher Musik ich mich gerade davon abhalten könnte, in die Tischkante zu beißen (manche Kundenmails führen ab und an zu solch emotionalen Ausritten). Also Kopfhörer auf, Play drücken – hallo Titel Nummer 1 in der Bibliothek – wird schon werden.
Und warum eigentlich nicht einfach immer weiter laufen lassen? Bis keine Titel mehr da sind, einmal von A bis Z durch die Bibliothek, wer weiß denn schon noch, was da eigentlich alles so herumliegt? Es soll ja Menschen geben, die gehen eher raketenwissenschaftlich an die Erkundung ihrer iTunes-Bibliothek heran (lesenswert) – nicht meins, aber letztlich ein Grund, den vagen Vorsatz, sich tatsächlich von vorne bis hinten durch die Bibliothek zu hören, nicht gleich wieder einschlafen zu lassen.
Und so höre ich mich nun (gemächlich) durch den Musikteil meiner Bibliothek, was netto etwas über zwei Wochen dauern würde. Bin gespannt, was mir da alles begegnet. Fundstücke aus der Odyssee sind auf Twitter per Hashtag #itunesodyssee markiert.
How to Destroy Angels ist ein neues Projekt von Trent Reznor (Nine Inch Nails) mit seiner Frau Mariqueen Maandig und Atticus Ross. Das Ganze klingt immer noch sehr nach (überwiegend ruhigeren) Nine Inch Nails Songs, hat aber durch die Stimme Maandigs auch etwas eigenes, oder zumindest zusätzlich reizvolles – insbesondere im Song “The Believers”. Die absolut hörenswerte EP mit sechs Songs ist auf der Band-Webseite gegen E-Mail-Preisgabe frei herunterladbar (320 kBit MP3).
Axel Hacke hat einmal ein schönes Buch geschrieben namens Der weiße Neger Wumbaba – entstanden aus falsch verstandenen Liedtexten. Daraus entstehen aber nicht nur Bücher, auch mancher Song gelangt erst so überhaupt auf den persönlichen Radar. So konnte (und kann) ich mit den Sternen (iTunes Link) bis auf wenige Ausnahmen nicht viel anfangen. Eine der Ausnahmen ist der Song – wie ihn damals ein Freund verstanden haben wollte – “Was hab’ ich bloß so uriniert” …
Muss man nichts zu sagen. Komme ich immer wieder darauf zurück. Bedauere immer wieder, dass die gesamte Musikrichtung nach kurzer Zeit praktisch völlig verschwunden ist. Macht nichts. Das hier wird auch in 10, 20 und 50 Jahren noch ein Meilenstein sein. Und wir waren dabei.
Zu Phillip Boa & The Voodooclub muss man nicht mehr viel sagen. Faking to blend in (iTunes-Link) ist auch nicht das aktuelle Album, sondern der Vorgänger. Abwechslungsreich, clean, großartig. Hat alles, was Boa ausmacht und taugt somit auch als Einstieg, sollte es wirklich noch jemanden geben, der nichts von Boa im Regal stehen hat.
Shame on me, dass es einer kürzlich auf dradio Kultur gesendeten (Mini-)U2-Retrospektive bedurfte, um dieses Juwels gewahr zu werden: Boy, das Debüt-Album von U2 (iTunes-Link, Remastered). Vielleicht ist das eine blasphemische Aussage, aber für mich steckt da eine Menge The Cure drin, so viel, dass es eine richtig gute Platte ist.